<< Ich hatte da ein ganz mieses GefĂŒhl. Oder: Ich habe es gewagt, „Indiana Jones“ zu schauen.
Linktipp der Woche: Der gute Ruthe >>

Nur weil ich etwas wissen kann, heißt das nicht, dass ich es wissen will. Oder: M. ruft an.

So ein Festplattenrekorder an der Fernsehanlage ist eine feine Sache. Vor allem im Sommer, wenn man häufig abends länger raus ist. Dann nimmt man einfach seine Lieblingsserie auf und kann sofort nach dem nach Hause kommen anfangen zu schauen - das heißt „Time Shift“. So auch wir gestern. Erst bei Freunden im Garten gesessen, dann gegen 21 Uhr 30 nach Hause und unsere Mädels bei „Germany's Next Top Model” auf PRO7 schauen.

Nach wenigen Minuten wurden wir gestört. Mein guter Freund M. (Name der Redaktion bekannt) hatte Probleme mit seinem Mac. Wollte doch seine Festplatte nicht so, wie sie sollte. Da habe ich ihm einen Trick verraten. (An' Strom anschließen!) Er sagte, er wolle das probieren. Bedankte sich artig und legte auf. Kein Problem, ich helfe gerne!

Wir konnten weiterschauen.

Weniger Minuten später rief M. noch einmal an. Ich wähnte, dass mein Tipp nicht gefruchtet hatte und ging ran. Doch wie sich herausstellte, hatte mein Rat sein Problem behoben (Ach!) und wohl aus purer freundschaftlicher Dankbarkeit entschied sich M., so als Zeichen seiner Verbundenheit, mir auch etwas zu verraten, das ich noch nicht wusste:

Dass PIEP* an diesem Abend bei Germany's Next Top Model herausfliegen wird.

Einfach so hat er das gesagt.

Das war das erste was er sagte.

Ohne Vorankündigung und somit ohne Chance für mich, zu sagen, dass ich das nicht wissen wolle.

Ich war, nun ja: Erstaunt.

Zuerst vermutete ich, dass die Sendung in „Echt“ mittlerweile zuende war (wir schauten ja per „Time Shift“ und waren fast zwei Stunden hinterher) und M. das nicht wusste und bei ihm schon der Abspann lief nun mit mir darüber diskutieren würde, ob das gerecht sei, dass die nun raus ist. Auch, weil ich ja getippt hatte, Wanda würde gewinnen. (Er sagte nicht Wanda, er sagte *PIEP*. Und weil Janina und Caro ja noch in der Entscheidung stecken, behalte zumindest ich das für mich.)

Fliegt als nächste.

Als ich noch mit lachend-schmerzender Miene versuchte, M. zu erklären, dass wir doch gerade erst schauten und ich jetzt mehr wüsste, als mir lieb sei, sagte er, dass das ja noch gar nicht gesendet sei und er das ja sowieso total blöd findet und ich könne doch nicht ernsthaft enttäuscht sein. Das wäre doch voll die Scheiß-Sendung. Es gäbe da doch seit vier Woche diese Liste im Netz und da stünde das drauf und das wüsste wohl jeder. Haha.

Ich nicht. Buhu.

Also, dass es diese Liste gibt, wusste ich schon auch. Aber wie die armen Burmesen im Minenfeld im Prolog von „ John Rambo“ war ich seitdem durchs Netz gesurft. Immer darauf achtend, nicht draufzutreten auf diese Info. Ich wollte mir ja meine Freude an meiner Sendung nicht verderben. Der einzigen Sendung, die ich überhaupt noch schaue. Doch M. spielte nun den fiesen General und schubste mich geradewegs ins Unglück. Innerlich explodierend legte ich auf und schaute tapfer weiter. Zumindest an der Freude erfreuend, dass Steffi es ja noch nicht wusste.

Wieso machen Menschen sowas?

Das ist ja so, als wäre man im Herbst in eine deutsche Grundschule gestürmt und hätte lauthals gebrüllt: „Ihr könnt alle noch kein Englisch aber ich. Aber ich! Und wisst ihr was? Ich verrate euch was. Harry Potter stirbt nicht aber der, der ... Harhar! Hört mal zu!“ Ach, was weiß ich. Das ist so, als wüsste man vor einem Fußball-Spiel schon, wie es ausgeht. Das ist so, als wüsste man heute, ob man morgen stirbt.

Natürlich gibt es diese Infos alle im Netz. Natürlich kann ich mittels Gen-Technik herausfinden, ob mich eher der Darm- oder der Lungenkrebs niederstrecken wird. Natürlich kann ich bei einem Roman zuerst die letzte Seite lesen.

Das Netz ist voll von diesen Besserwissern, die in Foren herausposaunen, was sie alles tolles wissen. Die damit prahlen, Herr der Ringe schon zwei Wochen vor dem Kinostart gesehen zu haben. Gut, von der Leinwand abgefilmt. In lausigen Farben und nur in 240 x 120 Pixeln und auf einem ungemütlichen Bürostuhl sitzend und das Rauschen des ALDI-Lüfters in den Ohren. Aber sie wussten schon zwei Wochen vor uns, dass Boromir sterben wird.

Beeindruckend.

Will ich das wissen? Nein! Weil Unwissen auch immer Spannung bedeutet. Und Spannung kann Unterhaltung sein. Und die Unterhaltung in so seichten Gewässern wie GNTM ist ja nicht der „Entscheidungstag“ sondern der Weg dorthin. Auf die Dinge zu achten, die dazu führen, dass eines der Mädels bei der Grand Jury in Ungnade fällt und wie das von PRO7 inszeniert ist. Sich daran erfreuen, zu erkennen, wie die Fäden gesponnen werden. Die Farce zu entlarven und deshalb als solche mit Freude akzeptieren zu können. Und dann, wenn sie vorm Podium stehen darüber zu sinieren, wen es treffen wird und sich wochenlang wundern, das Gisele immer noch drin ist. (Als Kenner kann man das natürlich verstehen. Es geht um das „Paket“, wie uns Heidi immer wieder erklärt. Und Gisele war ja eins.)

Ach, nun ist sie raus, meine Wanda!

Ich weiß ja, dass M. das nicht aus Boshaftigkeit getan hat. Ist ja ein guter Kerl. Aber er hat es getan. Und dafür wird er noch zahlen. Denn eines Tages, werde ich ihm verraten, dass die Menschen auf der Insel in LOST in Wirkl...

Dieser Eintrag ist vom 30.05.2008 und gehört zu: Die Anderen, Medienkonsum, Internet ...
5 Kommentare (s.u.) wurden bislang dazu hinterlassen. ... Trackback-Link

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Der G. schreibt dazu am 30.05.2008
Ach tröste dich!

Hier:

BIELEFELD: Fragestunde mit Top-Model Vanessa
Was SchĂŒler vom Top-Model wissen wollen / Freitag großes Vanessa-Interview in der Neuen WestfĂ€lischen!
@irsign schreibt dazu am 30.05.2008
Also ich lese auch schon immer Wochen im voraus im Netz was in welcher Serie passiert (bin doch so neugierig und ungeduldig) und Ă€rgere andere gerne mit meinem Wissen, denn ich bin ein böser und ungeduliger Mensch. Ich habe frĂŒher (also als Kind) auch schon immer die AdventstĂŒrchen zu frĂŒh geöffnet und im Geburtstagsgeschenkverstecke finden war ich auch immer großartig.

Aber ich kenne Leute, die sind noch böser als ich, die haben sich mal T-Shirts machen lassen mit dem Spruch 'Dumbledore dies on page...' so gemein bin ich dann doch nicht. ;)
Markus Freise schreibt dazu am 30.05.2008
Keine Angst, Rouven. Der nÀchste Sparrenblog-Artikel schlummert schon auf meiner Platte. Aber zur Zeit wenig Kopf zum Bloggen. Und das hier gehört hierhin. Meine ich.
Rouven schreibt dazu am 30.05.2008
HĂ€tt' ich auch zu gerne im Sparrenblog gelesen ;-)
Herr D. schreibt dazu am 30.05.2008
Schööön!

* wird nicht veröffentlicht.

Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.

5
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