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„Wer bist du?“ ... von den Figuren.

Wenn man über das Schreiben einer Kurzgeschichte hinaus geht, muss man sich zwangsweise irgendwann Gedanken über die Figuren seines Romans machen. Denn hat man in einer kurzen Erzählung eventuell gar nicht den Raum, Charaktere groß zu entwickeln, hat man damit auch nicht zwingend die Notwendigkeit, diese in jeder Konsequenz zu kennen. (Klugscheißer-Abwehrmodus: Ich weiß, es ist dennoch hilfreich!)

Bei einem Roman ist das aber in jedem Fall anders! Hier wird den Figuren viel mehr Gelegenheit gegeben sich zu entfalten. Zu Handeln. Zu Reden. Zu interagieren. Und Fehler zu machen. Unglaubwürdig zu werden.

Ja. Nichts schadet einer Geschichte mehr, als eine unglaubwürdige Figur. Eine Figur, die, wie es James N. Frey in seinem wundervollen Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ sagt, eine Figur darf niemals ihre Kompetenzen überschreiten. Das heißt, ein Feigling kann nicht von einer Seite zur nächsten zum Helden werden oder der Bösewicht geläutert. So funktionieren SAT.1-Filme. Nicht jedoch gute Geschichten.

Recherche kann so wundervoll sein.

Ein schlechtes Beispiel ist der Film „Krieg der Welten“ in der Fassung von Steven Spielberg und mit Tom Cruise in der Hauptrolle: Das ist in der ersten Hälfte ein wirklich toller Film über einen Vater in Angst um seine Kinder inmitten eines unkontrollierbaren Konfliktes. Da wird weggelaufen. Im Stich gelassen. Wundervoll. Das macht Spaß! Bis zu dem Moment, als Ray Ferrier irgendwie zu Ethan Hunt wird und beginnt, die Tripods zu bekämpfen. Das geht zu schnell! Da fehlt ein Mittelstück, dass dem Charakter die Gelegenheit geben könnte, sich von einem Extrem ins andere zu wandeln.

Das darf man nicht! ... Gar nicht? Doch! Manchmal muss man seine Charaktere sogar Grenzen überschreiten lassen, damit sie im Umkehrschluss nicht langweilig werden. Damit der Leser nicht sagt: „Natürlich macht er das. Das habe ich doch von ihm erwartet. Laaangweiler!“ Aber die Grenzen müssen in einem Radius sein, den die Figur aus eigener Kraft erreichen kann und nicht durch einen billigen Trick, durch die Allmacht des Autoren. Denn Adrian ist gar nicht die graue Maus aus dem Tierladen, sondern eine Frau in der die Leidenschaft unter der gehäkelten Wollmütze schlummert, die im entscheidenden Moment ihrem Mann Rocky Feuer in den italienischen Hintern bläßt und das anschließend Apollo Creed aus dem Ring fegt.

Ach. Irgendwie ist es wie mit Kindern: Man muss immer ein Auge drauf haben, dass sie keinen Blödsinn anstellen. Aber wenn sie dann doch mal der blöden Göre eine klatscht, die ihr die Puppe weggenommen hat, ist man schon stolz. Oder?

(Und wie macht man das? Wie nähert man sich so einer Figur? ... Bald!)


Dieser Eintrag ist vom 25.01.2008 und gehört zu: Princes in Exile, Medienkonsum ...
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Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.

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