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Ego-Premium-Content: Slam 2008, ich komme. >>

Ich habe für ein Blog bezahlt. Freiwillig.

Ich lebe mit der Überzeugung, dass etwas das gut ist auch Geld wert ist. Das liegt sicherlich in meiner kapitalisitsch, konsumorientierten Erziehung begründet. Aber vor allem in der Erfahrung, dass Dinge, die nichts kosten häufig auch nichts taugen. Oder wie mein Großvater immer sagte: „Was billig ist, ist teuer.“ Weil es schneller kaputt geht, nicht seinen Zweck erfüllt und so weiter.

So bin ich auch niemand, der sich Musik aus dem Netz klaut, sondern brav im Laden oder Apple iTunes-Store kauft. Ich sehe mir auch keine Filme kostenlos im Internet an. Selbst wenn es dafür legalegrauzonige Anbieter gibt. Und ich habe mich auch früher - ehrlich! - nie ohne zu zahlen auf eine Party geschmuggelt. Wenn etwas Geld kostet, dann soll es so sein. Das ist Marktwirtschaft. Ich lebe in diesem System und komme gut zurecht. Schließlich möchte auch ich für meine Arbeit entlohnt werden. Dann sollen andere das auch.

Etwas davon muss da hereingespielt haben, als ich kürzlich zum ersten Mal einem Blogger Geld überwiesen habe. „Donated“, wie es internetdeutsch heißt. Einfach auf den Button mit dem Herzen geklickt und 5 Dollar per PayPal nach Guam gesendet. Dem Leo Babauta.

Moment! höre ich da Dein Unterbewusstes rufen:

Geld für ein Blog bezahlt!? Echtes Geld!?

Bist du irre, Freise? Blogs kosten doch nix. Was soll das denn?

Ganz einfach: Das soll Anerkennung!

Anerkennung für eines der wunderbarsten Blogs, die in meinem GOOGLE! Reader gelistet sind: zenhabits.

zenhabits ist ein Blog voll von sogenannten Lifehacks. Kleinen Kniffen, die das Leben leichter machen. Gedanken, was man wo drehen kann. Wie komme ich morgens früher aus dem Bett und was viel wichtiger ist: Warum? Wie schaffe ich es, regelmäßig Sport zu machen? Wie miste ich zu Hause mal so richtig aus? Über solche Dinge schreibt Leo mittlerweile täglich und hat das sogar zu seinem Beruf gemacht. Eine tolle Übersicht mit den wichtigsten und beliebtesten Artikeln gibt es hier:

The Beginner’s Guide to Zen Habits - A Guided Tour

Und nicht nur, weil ich das gerne lese und das sehr kurzweilige Lektüre ist. Sondern auch, weil ich so manche Anregung bereits in meinen Alltag integrieren konnte, will ich mit meinem 5 Dollar dem Leo sagen:

Thank you for a wonderful blog. Keep posting!

Ich klaue ja auch keine Zeitungen im Kiosk. Und die kaufe ich nicht wegen des Papiers sondern wegen der Artikel. Und ein wenig sollte das Netz so auch funktionieren. Vielleicht gäbe es dann auch in Deutschland mal ein paar echte A-Blogger und nicht so eine Digitale Boheme, die sich gegenseitig in ihrer Content-Blase umherschubsen.

Das sollte es einem doch wert sein, oder? Vielleicht ist hier auch die Realität zu finden. Und nicht in den wirren Vorstellungen der Altvorderen in den Konzernen, die noch immer glauben, dass man mit Werbung im Netz Geld verdient. Dabei geht es doch nur um den langen Schwanz. Und ich will mit dran hängen. Meinetwegen auch ganz am Ende.

Ab jetzt kosten meine Slam- und Lesebühnen-Texte Geld. Oder nicht. Wie du willst.

Deshalb habe ich mein heutiges Handeln selbst als Anregung verstanden und freue mich ab jetzt über Spenden für meine Texte. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss!

Dieser Eintrag ist vom 07.08.2008 und gehört zu: Links, Über dies, Buchse runter, Entrümpeln, Medienkonsum ...
16 Kommentare (s.u.) wurden bislang dazu hinterlassen. ... Trackback-Link

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@irsign schreibt dazu am 08.08.2008
Manchmal will man mich glaube ich einfach nicht verstehen. Natürlich bin ich ein Dieb, wenn ich kein Musikliebhaber bin und mir was sauge, wenn man es denn so kleinlich nimmt. Aber das zählt für mich nicht, weil diese Leute sich eh nicht wirklich für Musik interessieren, die 1000 Lieder am Tag runtersaugen. Als würden die sich eine CD kaufen, wenn es die Möglichkeit des Runtersaugens nicht gäbe. Würden sie das? Nein! Ergo geht der Industrie durch diese 'Großsauger' nicht wirklich Geld verloren.

Mir geht es darum zu sagen, dass sich die meisten, die sich für Musik interessieren auch CDs von den Bands im Original kaufen, die ihnen wichtig sind, bzw. sie kaufen sich was nach, wenn sie es denn gut finden. Wenn ich ein Lied im Radio höre, das gut finde und mir daraufhin das Album brennen lasse, weil ich erst einmal in die CD reinhören will, bevor ich 15 Euro bezahle und die CD ist mir dann keine 15 Euro wert, dann sehe ich das eher als: 'Pech gehabt' an. Wenn die ganze Platte gut wäre, kaufe ich mir die später, wenn ich sie günstig bekomme. Vieles kaufe ich mir später sogar, weil es günstig ist, nciht weil es die CD Wert wäre. Im rechtlichen Sinne ist das natürlich nicht richtig. Aber eigentlich darf ich auch nachts bei leeren Straßen nicht über rot gehen und ich tue es trotzdem und ich habe nicht mal ein schlechtes Gewissen dabei.;)

Aufregen kann ich mich nur über Leute, die Sachen runtersaugen und die dann für Geld verkaufen. Das ist nicht richtig.

Wir haben wohl ein unterschiedliches Rechtsverständnis. Mit der Musikindustrie, die die Verluste ja auch durch überteurte Konzerttickets versucht wieder zu kompensieren habe ich kein Mitleid und schon gar kein schlechtes Gewissen. Qualität setzt sich so oder so immer durch. Überall.
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
@@irsign: Wenn ich also kein Musikliebhaber bin und Musik „sauge“ bin ich dann kein Dieb? Ich verstehe diese ganze Argumentation nicht.

Wenn etwas einen Preis hat, hat es einen Preis. Und den hat jemand gemacht und das ist im wahrsten Sinne des Wortes Gesetz. Wenn jemand den Preis mindern kann, dann nur der Verkäufer und nicht der Käufer. Ganz gleich, ob er das Produkt mag bzw. den Preis angemessen. Er hat nur eine Chance darauf zu reagieren: Nicht kaufen. So funktioniert Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage hieß das früher. Ich sage im Restaurant ja auch nicht: „Also, das war jetzt nicht soooo lecker. Ich zahle nur die Hälfte.“ Oder bei McDonalds, was noch am ehesten mit der aktuellen Musik-Industrie zu vergleichen ist, wenn man ein Gleichnis im Food-Bereich finden will. Versuch das mal! „Sie verkaufen doch nur Junk-Food. Das will ich umsonst. Ich zahle nur für Filetspitzen!“

Das ist absurd!
@irsign schreibt dazu am 08.08.2008
Ob sich nun 10 Leute eine Kassette aufnehmen oder 1000 Leute ein Album runterladen. Eins bleibt gleich: Der wahre Musikliebhaber wird sich eine sehr gute CD immer kaufen, wenn er die finanziellen Möglichkeiten dazu hat. (Wenn es ein Lieblingsartist ist kauft er sich sogar die Alben wenn sie Müll sind). Qualität hat ihren Preis, ja. Aber nicht jeder Preis verspricht auch Qualität. Zum Glück darf ich ja noch selbst für mich entscheiden, wem ich gerne mal ein paar Euro spende.
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
@@irsign: Da ist wieder das Kassetten-Argument! Klar haben wir früher Kassetten aufgenommen. Aber da war es eben so, das einer eine Platte hatte und die haben sich vielleicht zwei oder drei Kumpels aufgenommen. Heute stellt man sein MP3 in irgendeine P2P-Anwendung und Milliarden Menschen haben Zugriff. Das ist ein Unterschied. Nur eins ist bei beiden gleich: Es ist Diebstahl. Und das gehört sich nicht. Früher hat es nur keinen gekümmert, weil es keine Auswirkungen hatte. Und jetzt komme mir hier keiner mit „Die Musikindustrie hat den Trend verpennt und ist selber Schuld.“ Dann packe ich nämlich das Huhn und das Ei aus.

Das Internet ist eine wundervolle Plattform für alternative Vertriebswege (MySpace, Youtube, iTunes-Store, Micropayment etc.) Jeder ist aufgerufen, seine Kunst zu verschenken um auf sich aufmerksam zu machen. Jeder soll ein MySpace-Profil haben um zu locken. Aber wenn einer sagt, mein Song kostet 99 Cent, dann kostet er 99 Cent und ist nicht umsonst.

Also: Unterstützt die, die das Internet und seine Chance verstanden haben und vorbei an den großen Majors ihre Kunst publizieren (siehe zenhabit.net). Aber hört auf die anderen zu beklauen, die stecken geblieben sind!

Erst dann haut Eure Argumentation in vollem Umfang hin.
Mischa schreibt dazu am 08.08.2008
@markus: erneut 100 % ACK

@rouven: was hat in musikfragen mitreden können mit p2p zu tun? Richtig: Nichts! Vor allem nicht in Zeiten von myspace und youtube, Blogs und Bekannten / Freunden mit gutem Musikgeschmack. Früher war man eben nicht so faul und ging in den gut sortierten Plattenladen und nahm sich drei Stunden Zeit um neue Platten zu hören, man hörte sich Sondersendungen auf BFBS und ja, sogar Einslive (Kultkomplex et al.) an. Heute hat man es doch tausendfach einfacher, aus den eben erwähnten Gründen. Und hey: 99 cent für einen Song den man gut findet ist ein Witz! Ergo:

p2p ist in den meisten Fälle eine der billigsten Ausreden für Kulturapathie. Nicht mehr und nicht weniger.
Rouven schreibt dazu am 08.08.2008
Da ich ja zur Zeit selbst auf Hartz IV-Niveau lebe, würde ich, glaube ich, die Zinnen mit siedendem, wenn auch billigem, Öl verteidigen.

Obwohl, warte mal....Wenn die was zum Tauschen mitbringen, fände ich das in Ordnung. Aber dann wären wir ja wieder da, bloß eben nicht auf digitalem Umweg.

P.S.: Für so'ne Diskussion wäre 'ne Benachrichtigungsfunktion bei Antworten ziemlich gut.
@irsign schreibt dazu am 08.08.2008
Als du klein warst, hast du dir da nie Platten auf Kassette aufgenommen? Wenn man die dann richtig gut fand, dann hat man sich die eben später gekauft zum Geburtstag schenken lassen oder 4 Wochen sein Taschengeld gespart.
Viele der gebrannten CDs, die einem zugetragen werden, sind es auch einfach nicht wert, das man da Geld 15 Euro für ausgibt. Sie sind nett, mehr nicht.
Man darf nicht vergessen, dass das einfach auch nur eine Art ist bekannt zu werden. Die, die wirklich gut sind, die kauft man sich doch dann eh. Und die, die 1000 Titel in der Woche runterladen, denen geht es doch gar nicht um Musik und die würden sich eh nie ne CD kaufen. Wenn es diese Tauschbörsen und CDs brennen und MySpace nicht gäbe, dann würde es viel weniger (bekannte) Bands überhaupt geben, insofern ist das auch Jammern auf einem hohen Niveau. Macht gute Platten, dann gehen die Dinger auch weg. Und bringt nicht immer eine Best Of raus, wo dann 2 neue Lieder drauf sind..
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
Ich bleibe dabei: Jeder darf seine Kunst kostenlos verbreiten. Wer jedoch Geld dafür verlangt, hat dieses auch zu bekommen. Dementsprechend ist P2P Diebstahl. Ganz egal, ob man Geld hat. ... Ich schicke nachher mal eine Horde Hartz IV-er bei Dir vorbei. Die können ja dann Deine Bücher und Filme mitnehmen. Ist ja Kultur. Da wird erst gefressen.
Rouven schreibt dazu am 08.08.2008
@mischa: ich erwarte auch gar nicht, dass leute, die kein geld haben, dafür etwas hinlegen. was kulturelle grundbedürfnisse betrifft, gilt auch hier: erst kommt das fressen, dann kommt die moral.

würde ich großen wert drauf legen, z.b. in musikfragen mitreden zu können (auch das war mal anders, man wird älter), hätte ich wahrscheinlich auch dauernd ein p2p laufen. doch das ist schon seit über nem jahr unangetastet. wer war friska dingenskirchen nochmal?
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
Es geht ja auch darum MEHR Geld zu bekommen.
mischa schreibt dazu am 08.08.2008
@markus: ?

abgesehen davon ist mir grad aufgefallen, dass ich das ja persönlich gar nicht brauche. ich KRIEG ja geld für meine texte :)

unabhängig davon dennoch eine sehr schöne idee!
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
Und außerdem ist Amerika auch ganz schlimm!
mischa schreibt dazu am 08.08.2008
@rouven: die idee ist grundsätzlich erstmal sehr gut. allerdings wird vermutlich nur eine kleine minderheit bereit sein, diesem wunsch nachzukommen. werde ja schon doof angeguckt, wenn ich leuten erzähle, dass ich meine musik legal bei itunes angucke. oder anders ausgedrückt: wer sich seine medien illegal besorgt, egal ob übern esel, download-seiten oder streaming-seiten, der ist moralisch ziemlich angreifbar, wenn er für seine eigenen medien ein spendenkonto einrichtet..
Markus Freise schreibt dazu am 08.08.2008
@ 4j577: Wenn Du zenhabits meinst: Nein. Das ist ja die Krux. Es gibt nur wenige redaktionell wirklich herausragende deutsche Blogs. Mir kommen da vielleicht Spreeblick oder netzwertig in den Sinn. Worin das begründet liegt? An dem Thema arbeite ich noch.
4j577 schreibt dazu am 08.08.2008
Gibts das auch auf deutsch?
Rouven schreibt dazu am 07.08.2008
Hmmm...Du bringst mich direkt auf Ideen also bezüglich der Slamtext-Spenden (mein Blog ist ja nüschte wert).

* wird nicht veröffentlicht.

Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.

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