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Die Schönheit der Chance: Microsoft klaut Yahoo!

Hat sich Obi-Wan Kenobi so gefühlt, als Anakin sich der dunklen Seite der Macht ergab und in seinem feschen schwarzen Anzug als Darth Vader davon segelte? Hat er sich vielleicht sogar yoda-grün geärgert, ihn nicht doch in einen Lava-Tümpel geschubst zu haben?

So, wie sich vielleicht die Jungs bei Google Ende vergangener Woche gefühlt haben, als es durch die Presseticker ratterte:

Microsoft will Yahoo kaufen!

Zumindest ging ein Raunen durch das Internet-Universum. Hysterie brach aus. Da wurde damit begonnen, del.icio.us-Accounts zu löschen und Flick.r-Alben endgültig der Gar aus gemacht. Es wurde die Freiheit des Internets in Frage gestellt. Denn: Auf der einen Seite stünde da das Imperium Microsoft/Yahoo! und auf der anderen Seite die Rebellen von Google... Moment!? Welche Freiheit?

Mischa meinte dazu richtigerweise, während wir auf dem Siggi frierend auf unsere Begleitung zum Arminia-Spiel warteten, dass auch Google im Generalverdacht stünde, unsere Daten nicht nur wie ein gigantischer Hamster zu horten; unsere persönlichen Informationen die wir über Mail, Analytics, Picassa, iGoogle usw. dort hinterlassen, sondern das alles, wirklich alles sogar miteinander zu verknüpfen. Und wenn das so ist, dass wir alle Spuren ausschließlich innerhalb des geschlossenen Systems Google hinterlassen, sind wir dann konsequenterweise durchsichtig bis in die intimsten Details unseres Seins? Wenn Google weiß, welche Mails wir archivieren und welche wir löschen, welche Bilder wir mögen, welche nicht und wonach wir das Internet durchstöbern, kann Google dann auch sagen, was wir zum Frühstück essen? Vemutlich ja! Ist Google deshalb böse? Vielleicht.

Ist es also übertrieben, Angst vor dem Microsoft/Yahoo!-Imperium zu haben?

Ich finde: Nein! Denn zwischen Google und Microsoft gibt es einen wesentlichen Unterschied: Offenheit! (Ich höre das Raunen in dir, das sagen möchte: Ist einer offen, der seine Suchalgorithmen hütet wie einen heiligen Gral? Ja! Kann man es Google übel nehmen, dass sie den Grundstock ihres Unternehmens nicht preisgeben wollen? Wohl kaum.) Was also macht den Unterschied? Zum Beispiel das: Google baut konsequent auf OpenSource-Technologien auf, Google stellt eigene Frameworks zur Verfügung, Google lässt nahezu alle ihre Dienste durch APIs miteinander (Liebes Google Ich will eine Analytics-API!) und sogar mit externen Applikationen kommunizieren und bietet dadurch die Chance, die Ergebnisse, die ihr eigener Datenverdauunstrakt ausscheidet auch außerhalb dessen zu nutzen. Kostenlos! Man kann das nutzen. Muss man aber nicht. Ist das frei genug? Microsoft hingegen verbarrikadiert sich ständig, indem Standards, die sich längst durchgesetzt haben schlicht ignoriert und durch eigene ersetzt werden. Was zur Hölle soll dieses elendige neue .docx-Format? Man sollte nicht Fragen: Haben wir Angst vor Microsoft sondern: Wovor hat Microsoft Angst?

Was Google aber noch wesentlicher hervorhebt ist: Google ist Innovativ! Und zwar per Mission Statement. Google ist nicht darauf aus, den Markt aus dem Gebüsch zu beobachten und die innovativen Ideen anderer mehr Schlecht als Recht zu kopieren. Aus Gedanken wie „Es ist das Beste, eine Sache wirklich, wirklich gut zu machen.“ sind Innovationen wie GMail, Maps oder Docs entstanden. Ich habe lange nachgedacht, wann die Herren aus Redmond zuletzt etwas eigenes präsentieren konnten, die Welt überraschen. Der Zune, MSN, Live Spaces!, Vista: Alles nur geklaut. Und alles gefloppt! Ich stelle mir vor, dass bei denen diese schönen Motivationsplakate mit Segelschiffen und Bergsteigern an den Wänden hängen. Deshalb kommt Microsoft nicht immer nur zu spät zur Party, sondern ist auch technologisch schlechter aufgestellt. Oder so gesagt: Klar, River-Cola sieht genau so aus wie Coca-Cola. Kostet sogar weniger. Schmeckt aber scheiße!

Und wie Johnny Haeusler auf Spreeblick schreibt:

Aber wenn man Google angreifen will … müsste man dann nicht ein Unternehmen kaufen, das besser ist als Google? spreeblick.com

Für Google ist die vermeintliche Hiobs-Botschaft deshalb eine Chance. Nicht die, einen unliebsamen Konkurrenten loszuwerden. Sondern die Chance, das ramponierte Image der Datenkrake abzustreifen und sich als Rebellen-Allianz gegen das böse Imperium zu stellen. Ein wenig haben sie schon damit angefanen, wenn sie im offiziellen Google-Blog schreiben (Übersetzung von mir):

[...] Dieses feindliche Übernahmenangebot wurde Freitag angekündigt, also ist noch reichlich Zeit, sich dieser Fragen ausreichend anzunehmen. Wir nehmen die Offenheit des Internets, die Wahlfreiheit und die Innovation ernst. Sie sind der Kern unserer Kultur. (Tusch! Die Redaktion) Wir glauben, dass die Interessen des Internet-Users an erster Stelle stehen sollten - und das müssen sie - wenn der Wert dieser beabsichtigten Übernahmen gemessen wird und Alternativen sondiert werden. David Drummond, Official Google Blog

Also: Mir macht es keine Sorge, was da passiert ist. Mir tut es nur leid für die Jungs von Yahoo! die bislang gehofft hatten, in einem coolen Laden zu arbeiten. Die bislang sagen durften: „Wir haben einst das Internet revolutioniert.“ Und die nun denken müssen: „Jetzt gehören wir zu dem Haufen, der die Revolution verpennt hat! Jedesmal.“

Geschichte wird gemacht. Schade.

Dieser Eintrag ist vom 04.02.2008 und gehört zu: Medienkonsum, Internet ...
2 Kommentare (s.u.) wurden bislang dazu hinterlassen. ... Trackback-Link

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Markus Freise schreibt dazu am 04.02.2008
Ach. Schön. Dann holen wir mal die Surfbretter raus.
Mischa schreibt dazu am 04.02.2008
So, jetzt schwimmen wir wieder auf einer Welle, mein Lieber!

* wird nicht veröffentlicht.

Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.

2
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