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Die Schlacht ums Tannhäuser Tor ist verloren

Als wir in Eurem Alter waren, da gab es noch viele tolle Dinge, die es heute nicht mehr gibt: Plattform-Videogames, Cola in Glasflaschen, Schnee und die Überzeugung, bis spätestens 2008 gäbe es riesige Raumstationen im Weltall auf denen man Urlaub machen könnte oder sein Studium oder seine Ex-Freundin hin verbannen könnte. Dann würde man die auch nicht wieder treffen.

Es gab die feste Überzeugung, eines baldigen Tages würden mennschgemachte Androiden zu uns so kostbar poetische Dinge sagen, wie es Batty (Rutger Hauer) in Blade Runner sagt:

I've seen things you people wouldn't believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser gate. All those moments will be lost in time... like tears in rain. Batty, Blade Runner

Schon der Ausdruck „Attack ships“ (in der deutschen Fassung mies mit „gigantische Schiffe“ übersetzt) lässt mich - dank meines militaristischen Herzens - mit glasigen Augen an Monumentalschlachten um das Tannhäuser Tor denken. In einer Mischung zwischen dem finalen Kampf der Rebellen gegen das Imperium über Endor (als in Star Wars noch Männer gekämpft haben) und dem Angriff der Aliierten auf die Normandie. Ein Kampf, der nicht Stunden, nicht Tage, sondern Jahre dauern würde und Generationen an Freunden und Feinden verschleißen würde. Boah!

An alles das wurde ich zum einen durch den kürzlich zelebrierten 50. Geburtstag der Traumfabrik NASA erinnert.

Space Shuttle „Atlantis“, angedockt an die MIR. Bild: NASA

Zum anderen durch ein Posting auf dem Weblog „Sci-Fi-O-Rama“, in das ich kürzlich hineingeraten bin. Daran erinnert, dass es damals Hefte und Bücher voll mit visionären Bildern gab, wie die Menschheit sich einst das Universum würde erobern. In grellbunten Schlachtschiffen und windschnittigen Sausebolzen:

Titel unbekannt, von Chriss Foss. Viel mehr auf seiner Website. Dort kann man auch Poster seiner Bilder kaufen und sich die ins Büro hängen.

Nun bin ich 20 Jahre älter und mehr und weiß, dass ein Schlachtschiff (Attack Ship!) im Weltall nicht knallebunt sein sollte, es im Orbit keinen Wind gibt, den man schneiden kann und so manches Weltraumabenteuer nicht „jenseits aller Grenzen”, sondern unter den Wolken mit einer Verpuffung geendet hat. Wir sind einfach nicht weitergekommen als bis in den Orbit. Und das Tor, dass wir in neue Welten aufstoßen wollten, ist ein Loch in der Ozon-Schicht. Ach. Alles was es an Urlaubsmöglichkeiten im Weltall gibt, werden bald kurze Parabelflüge in den Orbit sein, die schon preislich weit entfernt vom Pauschaltourismus sind. Und wenn in Kürze das Space Shuttle-Programm enden wird, ist auch wohl erstmal Schluss mit bemannter Raumfahrt.

Was uns bleibt sind dann Gemälde der Träume einer gescheiterten Generation.

Und Urlaub auf Borkum.

Dieser Eintrag ist vom 05.09.2008 und gehört zu: ...
1 Kommentare (s.u.) wurden bislang dazu hinterlassen. ... Trackback-Link

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bigbear schreibt dazu am 22.06.2011
wow! guter beitrag, gefällt mir.
allerdings glaube ich, viele leute haben eingesehen, dass es unsere kinder verdienen, daß wir zuerst eine gut bestellte erde hinterlassen, bevor wir tatsächlich zu den sternen aufbrechen. ich meine damit nicht auch wissenschaftler davon abzuhalten in diese richtung zu forschen, aber wir wären nat. sehr viel schneller am "tannhäuser tor" wenn ein großer teil der menschlichen resourcen, gleich welcher art, auf dieses projekt konzemtriert würden. aber die von uns selbst verursachten probleme holen uns ein, ja gefährden gar den fortbestand der rasse.

allerdings kann ich deine melancholie ob der verpassten chance absolut nachvollziehen!

wir sehen uns auf borkum!

* wird nicht veröffentlicht.

Dies hier ist schamlos und komplett von _ben geklaut. Der findet das aber großartig.

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